Die Geschichte des Biergartens beginnt mit einem praktischen Problem: Bier musste den Sommer über kühl gelagert werden. Aus unterirdischen Kellern, schattenspendenden Bäumen und dem direkten Ausschank der Brauereien entwickelte sich eine der bekanntesten Formen bayerischer Gastlichkeit.
Bierbrauen war im Sommer riskant
Früher wurde Bier vor allem in der kühlen Jahreszeit gebraut. Hohe Temperaturen erschwerten die Gärung, und das Erhitzen großer Sudkessel erhöhte in dicht bebauten Städten die Brandgefahr. Das im Winter gebraute Bier musste daher so gelagert werden, dass es auch im Sommer genießbar blieb.
Unterirdische Keller hielten das Bier kühl
Brauereien legten tiefe Keller an, häufig an Hängen oder außerhalb der eng bebauten Innenstadt. Dicke Mauern, Erdschichten und eingelagertes Natureis sorgten für niedrige Temperaturen. Über den Kellern wurde Kies aufgebracht, damit der Boden trocken blieb und Regenwasser besser versickern konnte.

Bäume schützten die Keller vor Sonne
Über den Lagerstätten pflanzten die Brauer Bäume mit großen Kronen. Besonders Rosskastanien eigneten sich gut, weil sie schnell wachsen, dichten Schatten spenden und mit relativ flachen Wurzeln die Kellergewölbe weniger gefährden als tief wurzelnde Baumarten. So entstand über dem Keller ein angenehmer Aufenthaltsort.
Der Ausschank direkt am Keller
Wenn Menschen das Bier direkt an der Lagerstätte trinken konnten, entfielen zusätzliche Transportwege. Die Brauereien stellten Tische und Bänke auf und schenkten ihr Bier aus. Das führte zu Konflikten mit Wirten, die in ihren Gasthäusern nicht nur Getränke, sondern auch Speisen verkauften.
Brotzeit mitbringen wurde Teil der Tradition
Historische Regelungen gestatteten den Brauereien den Bierausschank an den Kellern, beschränkten aber teilweise den Verkauf von Speisen. Die Gäste brachten deshalb ihre eigene Brotzeit mit. Daraus entwickelte sich ein Merkmal des traditionellen bayerischen Biergartens, das bis heute bekannt ist.
Vom Lagerplatz zum gesellschaftlichen Treffpunkt
Im 19. Jahrhundert wurden Biergärten beliebte Ausflugsziele. Familien, Arbeiter, Handwerker und Bürger saßen an gemeinsamen Tischen. Der Biergarten war weniger förmlich als ein Gasthaus und wurde zu einem Ort, an dem unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen zusammenkamen.
Biergärten heute
Moderne Biergärten reichen von großen Münchner Anlagen bis zu kleinen Gartenwirtschaften. Viele bieten vollständige Speisekarten an. Gleichzeitig lebt die historische Idee weiter: Aufenthalt im Grünen, lange Tische, Schatten, Selbstbedienung und ein vergleichsweise ungezwungenes Miteinander.
Häufige Fragen
Die Vorformen entwickelten sich im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert aus dem Ausschank an Bierkellern. Eine einzelne Erfindung zu einem exakten Datum lässt sich deshalb kaum festlegen.
Der Ausschank der Brauereien wurde historisch teilweise erlaubt, ohne dass sie in gleichem Umfang Speisen verkaufen durften. Gäste brachten daher ihre eigene Brotzeit mit.
Die charakteristische Tradition ist besonders mit Bayern verbunden. Gartenwirtschaften und Ausschankplätze im Freien gab es aber auch in anderen Regionen.
Biergartenkultur im Perlacher Bachgarten erleben
Tradition, Gastlichkeit und gemeinsames Beisammensein lassen sich nicht nur nachlesen. Informationen zu Besuch, Reservierung und aktuellem Angebot finden Sie auf der Bachgarten-Website.
Bachgarten besuchenQuellen und weiterführende Informationen
- Bayerische Biergartenverordnung
- Duden: Biergarten
- München.de: Englischer Garten
- Oktoberfest.de: Biergärten in München
- VEBWK: Biergarten, Gastgarten oder traditioneller Biergarten
Der Text wurde eigenständig für die Bachgarten-Wissenswelt verfasst. Quellen dienen der Faktenprüfung; Formulierungen wurden nicht übernommen.



